Out of sight, out of mind

Meine bunte Herbstreihe möge es mir verzeihen, dass mein Oberstübchen heute etwas gelüftet werden möchte.
Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, dass wir im vergangenen Jahr unser Heim in einer rheinischen Großstadt gegen ein neues Zuhause weit draußen auf dem Land eingetauscht haben. Ein großer Schritt für unsere kleine Familie, den wir gewagt und gewonnen haben. Denn wir lieben unser Landleben und genießen die Zeit in der Natur, mit den Kinder, mit Hund und Katz.

Ich habe allerdings unterschätzt, wie schwer es ist, alte Freunde mitzunehmen in das neue Leben.
Anfangs schaffte ich es noch regelmäßig, mit den Kids die vielen Kilometer in die Großstadt zu fahren, um den Anschluss zu halten, Freunde zu treffen, im Gespräch zu bleiben.
Aber mit den Monaten schlugen wir Wurzeln auf dem Land, in Vereinen, in der Kita, auf den Spielplätzen. Ich fand einfach nicht mehr die Zeit für die Stadt-Fahrten, da unsere Tage mit Aktivitäten schnell gut gefüllt waren.
Wir freuten uns zwar immer noch sehr auf die Spielnachmittage in der alten Umgebung, aber insbesondere die Heimfahrten waren anstrengend: Feierabendverkehr, Stau auf der Autobahn, Hunger, Durst, Pipi, Knatsch und das ja keiner einschläft auf der Rückbank um halb sechs Uhr abends.

Die Abstände zwischen den Touren wurden größer, die Kinder fragten immer weniger nach den alten Kumpels und wir wurden schnell ein Teil der Gemeinschaft hier.
Natürlich haben wir anfangs viel Besuch aus der Stadt bekommen. Aber genau wie wir hier, haben alle genug um die Ohren in ihrem Alltag und scheuen eventuell auch den Aufwand der längeren Anreise.
Man richtet sich ein im Leben ohne den jeweils anderen und verliert sich langsam aus den Augen.

Wenn ich zurückblicke, habe ich das schon häufiger erlebt. Ich bin einige Male umgezogen seit der Studienzeit und habe zwischenzeitlich Jobs gewechselt. Mir ist es oft nicht geglückt, die Begleiter der jeweiligen Lebensabschnitte dauerhaft in meinem Leben zu behalten, obwohl wir ganz tolle und intensive Zeiten zusammen erlebt haben. Wir blieben in Kontakt über Facebook und Xing, aber tiefer verbunden bin ich mit einigen früheren Gefährten heute nicht mehr.
Natürlich betrifft das nicht alle! Ich bin sehr dankbar für die lieben Freunde in meinem Leben und auch wenn wir uns nicht mehr regelmäßig sehen, halten wir unsere Verbundenheit aufrecht.
Bei einigen Menschen bin ich jedoch überrascht und etwas wehmütig, dass es uns nicht gelungen ist, mehr als „Abschnittsgefährten“ zu sein.

Liegt es nur an der räumlichen Distanz?

Vielleicht ist das ja auch ein Dilemma unserer Generation. Wir ziehen häufiger um, wechseln Jobs, netzwerken, sind flexibel. Wir lernen fortwährend neue Menschen kennen und verändern uns mit Ihnen, erweitern unseren Horizont.
Der Whatsapp- oder Facebook-Status unserer Freunde gibt Auskunft über den Urlaubsort oder wie groß der Nachwuchs geworden ist. Ein rasch geklicktes Like ersetzt das persönliche Gespräch hierzu. Irgendwie fad.
Wir sind es mittlerweile doch gewohnt, unsere Emotionen mit kleinen, gelben Gesichtern in Kurznachrichten auszudrücken. Wie sollen da ehrliche Gefühle transportiert werden und dauerhafte Bindungen entstehen?

Meinen Facebook-Account habe ich vor wenigen Wochen deaktiviert, da ich mich von der Unmenge an Informationen über Menschen, die ich kaum (noch) kenne, überfordert gefühlt habe.
Es fühlt sich großartig an.
Ich möchte viel lieber jenen Menschen meine Zeit schenken, die echte Begleiter im Leben sind. Diejenigen, die unterstützend, wohlwollend und ehrlich zur Seite stehen, unabhängig davon ob wir uns tagtäglich begegnen oder uns aus der Ferne die Treue halten. Toll, dass es Euch gibt!

 

 

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