Manchmal habe ich das Gefühl, schlagartig zu altern.
Damit meine ich nicht diesen entsetzlichen Tiefschlafentzug in Mamis Nightlife. Nein, der ist zu subtil, zieht schleichend die Lebensgeister aus meinem Körper und kennzeichnet mich mit Fältchen an Stellen im Gesicht, wo kein Lachen hinkommt.

Es sind eher die Meilensteine des Elterndaseins, die zeigen, wie rasend schnell die Zeit vergeht und man selbst älter wird. Letzte Woche schlugen zwei dieser Brocken neben mir ein.

 

Der Schulranzenkauf für meinen zukünftigen Erstklässler stand letzten Dienstag auf dem Programm.
Jetzt wird es also tatsächlich bald ernst, die Einschulung rückt immer näher. Man könnte meinen, es sei übertrieben sich bereits in den Wochen nach Ostern mit dem passenden Equipment zu befassen. Aber weit gefehlt, kurz nach Ladenöffnung waren bereits etliche Familien auf der Jagd nach dem richtigen Ranzen, die Schlange an der Kasse wuchs zusehends.  Das Stresslevel eines Taschenfachgeschäftsbesuchs, mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau, ist übrigens vergleichbar mit der Planung und dem Kauf einer Ikeaküche am ersten Samstag des Monats.
Wie Motten ums Licht schwirrten unschlüssige Eltern um die wenigen Verkaufskräfte, welche sich von einem Beratungsgespräch zum nächsten hangelten. Diese Gespräche können, abhängig vom Kooperationswillen des baldigen ABC-Schützen, schnell eine halbe Stunde dauern. Geduld ist gefragt, eine Tugend, die zumindest bei anwesenden, dreijährigen Geschwisterkindern nicht sonderlich ausgeprägt ist. Wir hatten Glück und fanden rasch eine kompetente Beratung, die uns binnen einer Viertelstunde den passenden Tornister verpasste.
Seither stolziert mein Sohn wie ein Pfau mit dem Kasten auf dem Rücken durchs Haus und wird nicht müde, die im Lieferumfang enthaltenen Gadgets wie Mäppchen, Turnbeutel und Tuschkasten einzeln ein- und wieder auszupacken. Mehrmals täglich.

Das war doch erst gestern, als er zu seinem dritten Geburtstag eine froschgrüne Kindergartentasche geschenkt bekam. Die Tasche sieht noch aus wie neu, sie hält sicher noch ein paar Jahre! Mir geht das alles viel zu schnell.

Nur einen Tag nach dem Ranzenkauf stellte der Große beim Abendbrot fest, dass der Schneidezahn wackelt. Ich wusste ja, dass dieses Thema nicht mehr lange auf sich warten lassen würde, aber es traf mich trotzdem unvorbereitet. Mich überkam eine Erinnerung an die eigenen Wackelzähne, an dieses undefinierbare, fiese Gefühl, wenn der Zahn sich vom Zahnfleisch löst. Ich werde nicht ins Detail gehen, aber ich war erstaunt, wie genau ich mich erinnerte. Es ist über 30 Jahre her, Herrje, 30 Jahre.
Mein Sohn ruckelt nun unerlässlich an seinem Milchzahn. Tatsächlich spekuliert er darauf, dass die Zahnfee etwas Tolles unters Kopfkissen legt. O-Ton: „Mama, es ist gut, dass ich so ein großes Kissen habe. Da passt sogar Lego-Technik drunter!“ Ich habe ihm erklärt, dass die Zahnfee zu klein ist, um Lego-Technik zu transportieren, aber er glaubt mir nicht.

Das war doch erst gestern, als die Windelfee zu Besuch kam.
Als kleinen Exkurs erlaube ich mir anzumerken, dass die Windelfee von mir seinerzeit in Verzweiflung gerufen und vom Sohn freudig begrüßt wurde aber sie letztlich keinen Einfluss aufs „Trocken werden“ nehmen konnte. Sie brachte eine kleine Eisenbahn und flog dann unverrichteter Dinge wieder davon. Die Windel wurde knapp ein halbes Jahr später ohne weiteres zutun abgelegt. Ich werde die Dame nicht weiter empfehlen.

Jetzt klopft also bald die Zahnfee an die Tür um des Sohnemanns ersten Milchzahn einzuheimsen. Ich bin noch nicht so weit.

Es ist deutlich zu spüren, dass die Kleinkindzeit zu Ende geht. Mein Sohn kann es kaum erwarten, dass der Kindergarten seine Tore schließt, während es in meinem Kopf schrillt „Ich will noch nicht zur Schule“.

Wenn es soweit ist, werde ich mir selbst auch eine Schultüte basteln. Ein paar Parfümerieneuheiten, ein Piccolöchen, eventuell ein Elternratgeber übers Loslassen, mir fällt schon etwas ein, womit ich sie fülle. Und vielleicht lege ich mir auch was Schönes unters Kopfkissen, wenn die Zahnfee zu Besuch kommt. Man kann es sich ja auch nett machen in diesen schwierigen Zeiten.

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Von Schulranzen und Wackelzähnen”

  • Huhu!
    Da hab ich endlich nochmal daran gedacht, hier vorbeizuschauen und direkt mal das Abo bestellt 🙂
    Die Schultüte für die Mama finde ich ja mal eine großartige Idee, die ich direkt klauen werde! Ich sollte bei mir auch noch etwas für meine Nerven reinpacken. Für die Zeit der ersten schwierigen Mathehausaufgaben muss ich gerüstet sein. Ab wann gibt es eigentlich Textaufgaben a la „Zwei Goldfische wandern durch die Wüste. Der eine war rot, der andere dünn. Wie viel wiegt die Palme wenn es regnet?“ Nein, die habe ich wirklich nicht vermisst…

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